← Zurück zu „Mein Weg durch HR“

Station 01 · Begegnung

righthead

Begegnung

Recruiting Specialist · righthead (Sellbytel Group), Nürnberg · 07/2016 – 10/2017

Kurz gesagt: Ich bin nicht ins HR gegangen. Ich bin darüber gestolpert – aus der Gastronomie und dem Tourismus, ohne HR-Ausbildung, ohne Plan, ohne einen einzigen Fachbegriff im Gepäck. Was ich mitbrachte, stand in keinem Lebenslauf. Es war trotzdem genau das, was der Job brauchte.

Der Umweg war die Ausbildung

Wenn mich jemand fragt, wie ich ins Recruiting gekommen bin, ist die ehrliche Antwort: nicht geplant.

Vorher habe ich in der Gastronomie und im Tourismus gearbeitet. Ein Beruf, in dem man den ganzen Tag mit Menschen zu tun hat, die etwas wollen – und manchmal selbst noch nicht genau wissen, was. Man lernt dort, Stimmungen zu lesen, bevor sie ausgesprochen werden. Man lernt, dass niemand zweimal fragt, wenn er sich beim ersten Mal nicht ernst genommen fühlt. Und man lernt zu verkaufen, ohne dass es sich nach Verkaufen anfühlt.

Klingt nach einer schlechten Vorbereitung auf HR. War es nicht.

Von der Personalarbeit wusste ich damals nämlich exakt gar nichts. Wie man Kandidaten aktiv anspricht, wie ein Telefoninterview aufgebaut ist, was in einem Arbeitsvertrag steht und warum – all das habe ich zum ersten Mal in genau diesem Job gemacht. Ich kannte nicht einmal die Wörter, mit denen die Branche über ihre eigene Arbeit spricht.

Was ich kannte, waren zwei Dinge: wie man mit Menschen umgeht und wie man verkauft.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass genau darauf Recruiting steht. Alles andere ist Handwerk. Und Handwerk kann man lernen.

Meine Weiterbildung hieß: morgen wieder

Bei righthead lief das Tagesgeschäft in Frequenz. Active Sourcing. Telefoninterviews. Arbeitsverträge. Jeden Tag, alles davon, in Schlagzahl.

Besetzt habe ich First-Level-Support-Positionen für Großkunden wie Telefónica, Vodafone und DHL. Also Rollen, die kein Unternehmen sich leisten kann unbesetzt zu lassen – und die deshalb keine Nachdenkpausen erlauben.

Für jemanden ohne Vorbildung war das die härteste und die beste Schule, die es gibt – weil sie keine Theorie duldet. Man sieht sofort, was funktioniert. Welche Ansprache gelesen wird und welche im Postfach stirbt. Welcher Satz im Telefoninterview eine Antwort öffnet und welcher sie zumacht. Wann jemand wirklich wechseln will und wann er nur zu höflich ist, um aufzulegen.

Man sieht genauso schnell, wenn man danebenlag. Das Ergebnis liegt noch in derselben Woche auf dem Tisch, ungefragt und ungeschönt.

Diese Rückmeldung habe ich mir zum Lehrer gemacht. Kein Seminar der Welt korrigiert dich so zuverlässig wie ein Kandidat, der nicht zurückruft.

Meine Erfahrung zeigt: Zahlen sagen dir schnell, ob eine Stelle besetzt wurde. Ob die richtige Person am richtigen Ort gelandet ist, sagen sie dir nicht.

Meine allererste Einstellung vergesse ich trotzdem nicht. Ein junger Mann, Anfang zwanzig. Als ich ihm die Zusage durchgegeben habe, ist er in Jubel ausgebrochen. Direkt ins Mikrofon.

Ich saß mit dem Headset auf und habe mitgegrinst.

Viele weitere sollten folgen, und irgendwann wird auch das Routine. Aber diese Freude, die zurückkommt, wenn eine Entscheidung für jemanden aufgeht, ist der eigentliche Antrieb in diesem Beruf. Kein Zielwert der Welt motiviert so.

Die unbequemere Erkenntnis kam später. Ich war selbst der lebende Beweis dafür, dass ein Lebenslauf nichts darüber sagt, wer eine Aufgabe kann. Meiner hätte mich für diesen Job nicht empfohlen. Jemand hat es trotzdem versucht.

Warum es weiterging

Irgendwann saß das Handwerk. Und plötzlich war Platz im Kopf.

Ich wollte nicht nur besetzen. Mich hat angefangen zu interessieren, was eigentlich davor passiert – warum jemand überhaupt auf ein Unternehmen aufmerksam wird – und was danach kommt, wenn der Vertrag unterschrieben ist und die Aufmerksamkeit weiterzieht.

Dafür braucht es andere Mittel als eine gute Ansprache.

Bei righthead habe ich gelernt, Menschen zu finden.

Die nächste Frage war, was danach trägt.

Weiter zu Station 02 · Wachstum: SUXXEED →